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Hand in Hand und ohne viel Tamtam

Das Tennisturnier Bekuplast Open ist ein Highlight im Sportkalender der Region

VON WERNER STRAUKAMP

EMLICHHEIM/RINGE. Die Bekuplast Open sind ein Highlight im sommerlichen Sportkalender der Region. Möglich wird das alljährliche Tennisturnier jedoch nur aufgrund des Zusammenspiels von Sport und Wirtschaft.

Vom 26. bis 29. Juli wird das jährlich von gut 1000 Zuschauern besuchte Turnier des Tennisclubs Blau-Weiß Emlichheim seine 15. Auflage erleben. Turnierdirektor Hendrik Pollex hat das Turnier – nach beruflichen Wanderjahren zurück in Emlichheim – mit aus der Taufe gehoben. Heute genießt es Ansehen weit über das kleine Emlichheimhinaus. Seine Grundidee war es, ein Turnier zu etablieren, das die familiäre Atmosphäre des Vereinsgeschehens auch in Turnierform widerspiegelt, und ein Angebot sowohl für Freizeitsportler als auch für professionelle Tennisspieler zu machen. Denn neben den nach Altersstufen eingeteilten Konkurrenzen für auf Kreis- und Bezirksebene spielende Frauen und Männer stehen die mit professionellen Spielern besetzten Konkurrenzen der „Damen-Open“ und „Herren-Open“ im Mittelpunkt. Für Pollex „eine besondere Art der Werbung für den Tennissport“. So hat sich seit der ersten Turnierveranstaltung im Jahr 2004 die Mitgliederzahl des BW Emlichheim allein bis 2007 von 220 auf 500 Mitglieder steigern lassen.

Von Beginn an war Pollex und dem Vorstand des Emlichheimer Tennisclubs aber eines klar: Aus Vereinsmitteln ist ein derartiges Turnier nicht zu finanzieren. Und so machte sich Hendrik Pollex auf die Suche nach Sponsoren aus der heimischen Wirtschaft und landete 2003 im Büro des ebenfalls tennisbegeisterten Chefs von Bekuplast, Wilhelm Roelofs. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das 1985 von Roelofs und Partner in Emlichheim gegründete Unternehmen, das zunächst mit einer Spritzgussmaschine Kunststoffbehälter für den Transport von Blumenzwiebeln herstellte, zu einem mittelständischen Industriebetrieb entwickelt. In dessen 1994 neu eingerichteter Produktionsstätte im Nachbarort Ringe waren 2003 bereits rund 100 Mitarbeiter beschäftigt.

Roelofs war auch Mitbegründer der eigenständigen Tennisabteilung des Sportvereins Ringe, die noch heute über drei Tennisplätze verfügt. Pollex’ Idee, in Emlichheim ein Tennisturnier zu veranstalten, das sowohl dem Breiten- wie dem Spitzensport Raum geben sollte, stieß bei ihm auf offene Ohren. Schon nach wenigen Gesprächen gab der Firmenchef die Zusage, für einen Zeitraum von zunächst fünf Jahren als Hauptsponsor für die finanzielle Grundlage des als Bekuplast Open bezeichneten Tennisturniers zu sorgen. Eine Zusage, die seither zweimal ohne Probleme verlängert wurde. Zwischen den Akteuren stimmte die Chemie.

Auf der Grundlage einer derart freundschaftlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit gelang es Hendrik Pollex, das Tennisturnier beständig weiterzuentwickeln. Nach wenigen Jahren erweiterten die Bekuplast Open den Turnierbetrieb auf drei Tage und öffneten sich dem Frauentennis. Die Teilnehmerzahl stieg auf bis zu 100 Spieler. In enger Absprache mit Roelofs konnte Pollex seit 2010 auch überregional bekannte Tennisgrößen für einen Auftritt gewinnen. Darunter der ehemalige Daviscupspieler Karsten Braasch, die früheren Weltklassespieler Paul Haarhuis aus den Niederlanden und Patty Schnyder aus der Schweiz. Mit der Prominenz der Spieler stiegen allerdings auch die benötigten Preisgelder. Mittlerweile liegt der Etat des Turniers bei rund 20 000 Euro. Eine Summe, die schon lange nicht mehr allein der Hauptsponsor Bekuplast zur Verfügung stellt. Pollex gelang es, einen Sponsorenpool zu akquirieren, dem eine Reihe weiterer, zumeist vor Ort tätiger Unternehmen aus der Grafschaft Bentheim angehören.

Es ist aber weder vorrangig noch allein das Geld, das Jahr für Jahr für ein dichtes und qualitativ gut besetztes Teilnehmerfeld sorgt. Vielmehr schätzen die Spieler das familiäre Flair eines Turniers, das neben einem hervorragenden Catering auch Gelegenheit zum Austausch in gemütlicher Runde und Spielgelegenheit in leistungsgerechten Konkurrenzen bietet. Während der drei Turniertage sollen sich Spieler und Zuschauer in Emlichheim wie zu Hause fühlen. Ein Anspruch, der in den vergangenen Jahren eingelöst werden konnte. Nicht zuletzt, weil sich allein 50 Vereinsmitglieder in der Organisation und Durchführung des Turniers engagieren. Ein Aufgabenfeld, das von der Betreuung der Spieler über den turniereigenen Internetauftritt bis hin zur Besetzung der Getränke- und Imbissstände reicht. Darunter auch der beim Publikum beliebte, an die große Tenniswelt von Wimbledon erinnernde Erdbeerstand, an dem im vergangenen Jahr 40 Kilo der roten Früchte über die Theke gingen.

Seit den ersten Bekuplast Open hat sich auch im Unternehmen des Hauptsponsors einiges getan: Heute zählt die Firma allein 300 Mitarbeiter am Standort Ringe. Die Produktpalette wurde erweitert. Mit Millionenaufwand entstand 2012 ein modernes Verwaltungsgebäude, 2014 eine neue Produktionshalle mit modernsten Maschinen und hoch entwickelter Automationstechnik. Firmengründer Wilhelm Roelofs zog sich aus dem operativen Geschäft zurück. Sein Sohn Christian Roelofs rückte in die Geschäftsführung auf. Seine Tochter Stephanie Weggebakker ist Unternehmensjuristin und als Prokuristin ebenfalls Teil der Geschäftsleitung.

Die Begeisterung für den Tennissport ist geblieben. Christian Roelofs ist aktiver Spieler beim Tennisclub Neuenhaus. Stephanie Weggebakker spielt zwar nicht mehr aktiv, begleitet aber als „Tennismutter“ ihre Kinder zu Training und Spiel auf den heimischen Plätzen des GSV 2015 Ringe-Neugnadenfeld. Es ist aber nicht nur die anhaltende Begeisterung der Familie Roelofs, die eine Förderung der Bekuplast- Open auch für die kommenden fünf Jahre erwarten lässt. Für Stephanie Weggebakker und Christian Roelofs gibt es handfeste Gründe, ihr Sponsoring fortzusetzen: Zum einen seien die Mitarbeiter mittlerweile sehr stolz auf „unser Bekuplast-Tennisturnier“, zum anderen gebe es für tennisaffine Kunden die Möglichkeit als Spieler oder Zuschauer teilzunehmen.Nicht zuletzt profitiere das Unternehmen vom Bekanntheitsgrad der Turnierveranstaltung. Denn für Stephanie Weggebakker ist das Sponsoring Teil der Nachwuchswerbung. Angesichts eines zunehmend spürbaren Mangels an Nachwuchs- und Fachkräften sei es wichtig, junge Menschen aus derRegion auf die Firma aufmerksam zu machen und sich als interessanter und engagierter Arbeitgeber zu präsentieren. In diesem Zusammenhang stehen auch weitere Sponsoring-Maßnahmen vor Ort, mit denen man sich seit vielen Jahren in den Bereichen Bildung, Kultur und Sport engagiere. Übereinstimmend betont Familie Roelofs, dass man nicht nur im Fall der Bekuplast Open ein Sponsoring-Konzept verfolge, das vom Gedanken der Nachhaltigkeit und Verwurzelung vor Ort geprägt sei – und auch in Zukunft gern ohne viel öffentliches „Tamtam“ daherkommen wolle.

Raum für den Breitenund den

Spitzensport.

Auch die früheren Weltklassespieler Paul Haarhuis aus den Niederlanden und Patty Schnyder aus der Schweiz haben schon in Emlichheim gespielt.Für Turnierdirektor Hendrik Pollex ist es die Mischung aus einem Angebot für Freizeitspieler wie auch für Profis,die den Reiz der Bekuplast Open ausmacht. Fotos: Gerold Meppelink

Turnierleiter Hendrik Pollex (links) hat die Bekuplast-Open mit aus der Taufe gehoben. Auf dem Foto ist er mit Vereinspräsident Heinrich Lichtenborg zu sehen.

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